Effektives Auftanken durch hawaiianisches Waldbaden

Die positive Wirkung des Waldes und wie man sie am besten für
die eigene psychische und körperliche Gesundheit nutzen kann.

 

 

In Stadt und Land sieht man nun wieder Menschen jeden Alters die Natur genießen: beim Joggen, Inline-Skaten, Nordic Walken, Spazierengehen, Radfahren oder einfach beim “Seele baumeln lassen”. Nach dem Winter und den nicht enden wollenden Corona Lockdowns mit viel Distanz und wenig sozialer Nähe genießen wir nahezu ausgehungert Sonne, Luft, Bewegung und soziale Kontakte im Freien.

 

Aufenthalt und Bewegung in der Natur waren in Österreich trotz aller Einschränkungen zum Glück immer möglich, und vielen von uns wurde ihr Wert für Körper, Geist und Seele jetzt erst so richtig bewusst.

Was intuitiv jeder weiß, ist bereits wissenschaftlich erforscht: sich in freier Natur aufzuhalten, zu bewegen, frische Luft und Sonne zu tanken ist gesund und stärkt unsere Psyche und unser Immunsystem.[1]

 

Der Wald als "Luftkurort". 

Fakten und Zahlen belegen den Wald als Luftkurort für uns Menschen: 1 Kubikmeter Luft über Industriestädten enthält schwindelerregende 500.000 Rußteilchen, 1 Kubikmeter Waldluft dagegen lediglich 500 Rußteilchen. Umgelegt auf einen einzelnen Baum, beispielsweise eine 100-jährige Eiche, heißt das, sie filtert jährlich etwa 11 Tonnen Staub und Schadstoffe aus der Luft!

Weiters ist diese einzelne, alte Eiche imstande, den Jahres-Sauerstoffbedarf von 11 Menschen zu decken, indem sie jährlich circa 5000 kg CO2 zu organischen Substanzen verarbeitet und dabei etwa 4500 kg Sauerstoff abgibt.[2]

Das heißt, die Luft ist in der Umgebung von Bäumen nicht nur sauberer, sondern gibt uns Menschen die Möglichkeit, in vollen Zügen sprichwörtlich “aufzutanken” – mit jedem Atemzug reine, sauerstoffreiche Luft einzuatmen und unsere Zellen mit diesem wichtigen Lebenselixier zu versorgen.

 

Was passiert, wenn unsere Zellen nicht genug Sauerstoff und Nährstoffe erhalten, haben Wissenschaftler an der Johannes Gutenberg Universität Mainz erstmals 2015 beobachtet: die DNA in solchen Zellen ist dramatischen Veränderungen ausgesetzt, verdichtet sich und kann nicht mehr abgelesen werden. Die Zellaktivität ist stark reduziert und das kann bei weiterer Unterversorgung bis zum Zelltod führen. Dieser "ausgehungerte" Zustand der Zellen ist typisch für einige der häufigsten Krankheiten wie Herzinfarkt, Schlaganfall und Krebs.[3]

All diese Fakten machen uns die essentielle Notwendigkeit von Bäumen und ausgedehnten Wäldern für unsere Gesundheit unmissverständlich klar. Doch was für Generationen von Menschen selbstverständlich war – in gesunder Natur und nahe an intakten Wäldern zu leben – ist für den modernen Großstadtmenschen ein Luxus geworden.

Luxus Natur.

In Millionenstädten mit viel Beton, Abgasen und wenig Grün kommen oft viele sogenannte Zivilisations-Stressoren hinzu: Verkehrsstress, ständige Erreichbarkeit und Reizüberflutung, Menschendichte und Einsamkeit, familiäre Stressoren und Arbeitsüberlastung, um nur einige Beispiele zu nennen. In Japan gibt es seit Jahrzehnten sogar einen eigenen Begriff für den plötzlichen Tod durch (jahrelange) Überarbeitung: “Karoshi”[4], dessen direkte Todesursache Herzversagen, Gehirnblutung oder Schlaganfall ist. Japans Behörden erkennen jährlich etwa 150 Fälle von Karoshi an, deren Diagnose Hinterbliebene zu Renten berechtigt.

 

Ist es Zufall, dass es gerade in Japan einen weiteren, eigenen Begriff  und rege wissenschaftliche Forschung für das heilsame “Baden” im Wald, genannt “Shinrin Yoku” gibt?
Bereits Anfang der 80iger Jahre wurde in Japan begonnen, die gesundheitlichen Aspekte des Waldbadens auf breiter wissenschaftlicher Basis zu erforschen.[5] 2006 wurde darauf das erste Zentrum für “Waldtherapie” eröffnet und auf japanischen Universitäten können sich Fachärzte auf “Waldmedizin” spezialisieren.

 

Das Waldbaden wirkt laut der Mehrheit von Studien  und Metastudien[6] u.a. wie folgt:

  • Verbesserte Immunabwehr durch Erhöhung der natürlichen Killerzellen

  • Senkung des Blutdruckes

  • Verminderung von Stress

  • Steigerung des Wohlbefindens

  • Tieferer Ruhepuls

  • Senkung des Blutzuckerspiegels

  • Hilfreich bei chronischer Herzinsuffizienz

 

Es werden laufend weitere Studien publiziert und nicht nur in Japan sondern auch in den USA und Europa steigt das wissenschaftliche Interesse am Thema. Ein neuer Trend zum “Heilwald” mit eigenen Waldbadepfaden und Waldbadekursleitern ist auch in Österreich und Deutschland zu verzeichnen. Die heilende Wirkung des Wald(luft)bades führt der österreichische Biologe Clemens Arvay auf den “Biophilia-Effekt”[7] zurück. In seinem gleichnamigen Buch schreibt er: “Waldluft ist wie ein Heiltrunk zum Einatmen” da die Pflanzen einen “Cocktail aus bioaktiven Substanzen an die Waldluft abgeben”, welche wiederum das Immunsystem stärken.

 

Wie geht nun dieses Waldbaden – kann man nicht einfach im Wald joggen oder wandern?

Selbstverständlich kann auch Sporteln im Wald gesund sein, die Besonderheit an Shinrin Yoku jedoch ist, dass es dabei weder um Leistung noch um körperliche Ertüchtigung, sondern einfach um den Heileffekt des achtsamen “Seins” im Wald geht, den Wald mit allen Sinnen in sich aufzunehmen. Es geht quasi um “naturbasierte Achtsamkeit”, welche sich als eine besonders heilsame Kombination herausstellt.[8] Praktisch übersetzt heißt das, im Wald herumschlendern, innehalten und rasten, sich sanft bewegen (z.B.: mit Yoga), still werden, meditieren und den Wald – wie in der Kindheit – offen, neugierig und spielerisch mit allen Sinnen wahrnehmen. Ein besonders wichtiger Aspekt, um die Heilkraft der Bäume in sich aufnehmen zu können, ist das bewusste Atmen.

 

An diesem Punkt kommt Hawai’i und meine dortige Huna-Ausbildung[9] ins Spiel: Für die alten Hawaiianer entsprach das heutige Waldbaden ihrer ganz natürlichen Lebensweise und ihre Heiler nutzten die Kraft des Waldes auf vielfältigste Art. Von essenzieller Bedeutung war “HA”, hawaiianisch für “Atem” und “Leben”, und daher praktizierten sie auch verschiedenste Atemtechniken.

 

Eine dieser hochwirksamen Atemtechniken ist: “Piko-Piko”[10], der gelenkte Atem bei dem man die Aufmerksamkeit beim Einatmen auf ein “Piko” = ”(Körper) Zentrum”, beispielsweise den eigenen Scheitel und beim Ausatmen auf ein weiteres “Piko” beispielsweise den Nabel lenkt. Diese Atemtechnik regt nach dem Huna-Prinzip Makia (“Die Energie folgt der Aufmerksamkeit”) den Energiefluss im Körper an, erhöht Durchblutung, stimuliert das Lymphsystem und hat auch eine beruhigende, ausgleichende Wirkung. Es gibt viele verschiedene Varianten der Piko-Piko-Atmung, die ich ua. in meinen Huna-Seminaren lehre. Eine geeignete, einfach umsetzbare und den Waldbade-Effekt verstärkende Variante, habe ich während der Beschäftigung mit der Heilkraft des Waldes (Wald: hawaiianisch “Nahele”) entwickelt und kann sie aus eigener Erfahrung sehr empfehlen:

 

Piko-Piko Nahele: Hawaiianische Atemtechnik für effektives Waldbaden

Während du in einem Wald deiner Wahl stehst, sitzt oder liegst, mache dir bewusst, dass du mit deinem Ausatmen die Bäume nährst und sie dir dafür Sauerstoff, Energie und bioaktive Substanzen für deine Gesundheit schenken.

 

  1. Nimm nun einige (langsame, tiefe) Atemzüge wie folgt und versuche den jeweiligen Bereich deines Fokus gut zu spüren oder wahrzunehmen:
    – Einatmen mit dem Fokus deiner Aufmerksamkeit auf einen Baum.
    – Ausatmen mit dem Fokus deiner Aufmerksamkeit auf deinen Nabel.

  2. Erweitere nun deinen Fokus auf alle Bäume in deinem Blickfeld und nimm weitere Atemzüge:
    – Einatmen mit dem Fokus auf allen Bäumen deines Blickfeldes.
    – Ausatmen mit dem Fokus auf deinen Nabel.

  3. Schließe mit einem Gefühl der Liebe (“Aloha”) und Dankbarkeit (“Mahalo”) für den Reichtum der Natur und bedanke dich in deiner Sprache oder auf Hawaiianisch mit "Aloha mahalo"!


Man muss nun weder in Huna ausgebildet sein, noch an bestimmte Formen von Energie “glauben”, diese Technik einfach bewusst anzuwenden, und ihrer Wirkung im eigenen Körper achtsam nachzuspüren, genügt vollkommen. Und wie bei allem: die Übung macht den Meister!

[1] https://www.zeit.de/zeit-wissen/2018/03/waldbaden-natur-heilung-gesundheit-japan

[2] https://www.planet-schule.de/.../waldfunktionen/luftreiniger.htm

[3] https://www.uni-mainz.de/presse/73469.php

[4] https://www.sueddeutsche.de/karriere/ueberarbeitung-in-japan-schuften-bis-zum-tod-1.148349

[5] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/?term=%22forest+bathing%22+or+%22forest+therapy%22

[6] Ohtsuka et al., 1998; Li, 2010; Park et al., 2010; Mao et al., 2010; Barton & Pretty, 2010; Li et al.,
   2008, 2011, 2016;

[7] Arvay, C.G.: Der Biophilia-Effekt: Heilung aus dem Wald; Ullstein, 7. Edition 2016

[8] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6747393/

[9] bei Dr. Serge Kahili King, Big Island, Hawai’i; siehe: https://www.suncoaching.net/

[10] Pikopiko: https://www.huna.net/HBM/Books/techbundle1.html