Weise Entscheidungen

 

Die heutige Welt mit einem Überangebot in so vielen Bereichen beschert uns oft die “Qual der Wahl”. Eine zunehmende Entscheidungs-Müdigkeit[1] betrifft nicht nur Führungspersönlichkeiten, sondern viele von uns im täglichen Leben.  Bei kleineren Entscheidungen, wie der Wahl der Kleidung oder dem Einkauf für das Abendessen, sind Unentschlossenheit und Entscheidungsschwäche aber weniger problematisch als beim Treffen wichtiger (Lebens-) Entscheidungen. Welche weitreichenden und oft unvorhersehbaren Folgen Entscheidungen der Politik auf Mensch und Natur haben, zeigen der Umgang mit dem Klimawandel oder dem Covid 19-Virus weltweit. Die folgenden Strategien können jedem von uns persönlich helfen, schwierige Entscheidungen nicht nur leichter und sicherer, sondern auch weiser zu treffen, und wir werden erkennen, dass Verstand UND Emotionen dabei eine Rolle spielen:   

 

1) Perspektiven wechseln und den eigenen Weg gehen

Wir alle werden von unzähligen Faktoren (Umwelt, Gesellschaft, Familie, Freunde etc.) bewusst oder unbewusst in unseren Entscheidungen beeinflusst.

Das ist an sich noch kein Problem – für uns wichtige oder in der bestimmten Angelegenheit kompetente Personen zu Rate zu ziehen, ist eine sehr gute Möglichkeit, neue Informationen und andere Perspektiven zu berücksichtigen.

Die Macht, unsere eigenen Entscheidungen zu treffen, sollten wir jedoch nicht abgeben. Daher ist es sinnvoll, sich zu fragen: Was will ICH wirklich? Gibt es Faktoren, die ich mir vielleicht noch nicht bewusst gemacht habe, die mich daran hindern, wirklich meine Entscheidung zu treffen? Gehe ich vielleicht unbewusst in eine Richtung, die sich andere (Eltern, Partner etc.) für mich wünschen?

 

2) Kurz-, mittel-, oder langfristiger Nutzen

Sehr wichtig ist die Frage: wohin führt mich meine Entscheidung? Ist der Nutzen nur ein kurzfristiger, oder profitiere ich von meiner Entscheidung langfristig?

Passt diese Entscheidung zu meinen Zielen und Werten?

Eine Möglichkeit hierfür ist die 10-10-10-Methode[2], bei der man sich fragt: “Welche Auswirkungen hat meine Entscheidung in 10 Minuten, 10 Monaten und in 10 Jahren?”  Hierfür gilt es, sich die nötige Zeit zu nehmen, ehrlich mit sich selbst zu sein, und die verschiedenen Möglichkeiten auch gedanklich durchzuspielen. Oft ist es weise, wenn auch nicht immer leicht, auf einen kurzfristigen Gewinn zugunsten einer längerfristigen, nachhaltigen Lösung zu verzichten.

 

3) Fakten und verlässliche Informationen sammeln

Um eine rationale Entscheidung treffen und Pro und Contra gut abwägen zu können, sollte man sich bestmöglich informieren, was die einzelnen Optionen, zwischen denen man sich entscheiden will, betrifft. Dabei gilt es darauf zu achten, dass die Daten aus zuverlässigen, qualifizierten Quellen stammen. Selbst dann schadet eine kritische Haltung nie, da Fakten und Zahlen ohne den dazugehörigen Kontext ebenfalls irreführend sein können. Wir haben dies in Zeiten von Corona erlebt: wirklich vergleichbar sind nur Zahlen in Relation zur Bevölkerung eines Staates und nicht die absoluten Zahlen, die oft plakativ die Schlagzeilen der Medien zieren. Natürlich gilt dies auch für Internet und Social Media: kritisches Hinterfragen und Recherchieren der Quellen ist bei allen Informationen, die als Entscheidungsbasis dienen sollen, sehr wichtig.

 

4) Ganzheitlich entscheiden

Oft sind wir hin- und hergerissen zwischen unserem Verstand, unseren Emotionen oder unseren körperlichen Bedürfnissen: wir wissen vom Kopf her, dass wir beispielsweise keine Süßigkeiten mehr essen sollten, aber dann greifen wir doch wieder zur Schokolade, weil unser Verlangen danach stärker ist, oder wir uns damit belohnen und in Stress-Situationen beruhigen wollen.

Wieder heißt es, kurz innezuhalten und sich bewusst zu machen: “Was will/brauche ich jetzt gerade wirklich?” Um am Beispiel Schokolade zu bleiben: Kann ich den kurzfristigen Nutzen (Lust auf etwas Süßes, Stressreduktion..) eventuell auch anders sicherstellen? Beispielsweise mit Trockenfrüchten oder einer kurzen Pause mit einigen tiefen Atemzügen?

Kluge Entscheidungen treffen wir nicht nur mit dem Verstand, sondern auch mit Hilfe unseres Unterbewusstseins, das wir oft als Intuition oder “Bauchgefühl” bezeichnen. Mittels Emotionen und diffusen Körpersignalen (zum Beispiel: Kribbeln im Magen), den sogenannten “somatischen Markern[3]”, zeigt es uns bei anstehenden Entscheidungen an, wie mögliche Zukunftszenarien auf Basis unseres individuellen Erfahrungspools von uns bewertet werden[4]. Das Problem liegt jedoch oft daran, das Bauchgefühl überhaupt wahrzunehmen und der eigenen Intuition vertrauen zu lernen. Dies erfordert einen achtsamen Umgang mit sich selbst, ein Innehalten und Hinspüren, denn Bauchgefühl und Intuition sind leise und werden oft vom “lauten Geschwätz” unseres Verstandes übertönt. Mit verschiedensten Methoden können wir einen besseren Zugang zu unserer inneren Stimme bekommen: Meditationen, Atem-und Achtsamkeitsübungen helfen uns dabei, auch mit Szenario-Techniken, kinesiologischen Muskeltests und anderen Methoden arbeiten Coaches, um ihre Klienten bei der Entscheidungsfindung zu unterstützen.

 

5) Entspannt und kreativ entscheiden

Nur zwei Optionen zu haben oder gar zwischen zwei Übeln wählen zu müssen, stürzt uns in ein klassisches Dilemma. Hier hilft die Annahme, dass es immer mindestens drei Möglichkeiten geben muss: ein bekanntes Beispiel dafür ist: “Love it, change it, or leave it” Also eine Situation oder Möglichkeit entweder zu ändern, sich ihr zu entziehen oder sich damit anfreunden, sie quasi “lieben” zu lernen. Beim Entscheiden ist auch Kreativität gefragt, denn manchmal ist es weder die eine noch die andere Möglichkeit oder Lösung, sondern keine von beiden oder etwas ganz anderes. Statt dem Entweder-Oder kann ein Sowohl–als auch Sinn machen oder es gilt nach dem (oft gar nicht so “faulen”) Kompromiss zu suchen.

 

Auch “Abwarten und Tee trinken” kann zeitweise eine legitime Strategie sein, denn manche kleinere Probleme oder Entscheidungen lösen sich oft ganz von selbst.

Generell gilt, und bei großen Entscheidungen im Leben ist es besonders wichtig, nicht unter Druck und Anspannung von außen oder selbstgemachtem Stress, sondern entspannt  zu entscheiden. Das kann heißen, sich “Bedenkzeit” zu gönnen, tief durchzuatmen, einmal “drüber zu schlafen”. Bewegung in der freien Natur kann uns sehr dabei helfen, den Kopf frei und klar zu bekommen, spontane Einsichten und kreative Ideen zu erhalten. Auszeiten und insbesondere “Offline-Zeiten” lassen uns aus dem Hamsterrad des Alltages aussteigen, wieder einen Sinn für das (für uns) Wesentliche bekommen und der inneren Stimme Raum zu geben.

 

6) Auf unser “psychisches Immunsystem” vertrauen

Irren ist menschlich: wir alle machen Fehler und diese natürlich auch beim Entscheiden. Aber oft sind rückblickend gesehen die größten “Fehler” unsere besten Lehrmeister oder sogar die Weichenstellung für so manchen späteren Erfolg gewesen. Laut Harvard-Psychologe und Entscheidungsforscher Daniel Gilbert verfügen wir über ein natürliches Schutzschild, unser “psychisches Immunsystem”[5] indem wir die Welt, und auch manche “Fehlentscheidung”, so wahrnehmen, wie sie uns angenehm ist.

 

Sich bewusst zu machen, dass es nicht die eine “richtige” Entscheidung gibt, sondern dass jeder Tag neue Chancen birgt, wir uns immer wieder neu auf unsere Ziele ausrichten können und uns so mancher “Umweg” schon zu neuen Erkenntnissen verholfen hat, kann zusätzlich entspannend und entscheidungsfördernd wirken.

Außerdem gilt: Keine Entscheidung bereut man mehr als die, nichts getan zu haben. Darum packt man den Stier am besten bei den Hörnern und wagt es, sich zu entscheiden, denn das Leben kann nur nach vorne gelebt und erst in der Rückschau verstanden werden.

 

[1] https://www.wiwo.de/erfolg/management/der-weg-zu-entscheidungen-warum-wir-oftmals-unentschlossen-sind/12196974.html

[2] https://karrierebibel.de/10-10-10-methode/#So-funktioniert-die-101010Methode

[3] https://www.spektrum.de/lexikon/neurowissenschaft/somatische-marker/11929

[4] https://www.emotion.de/de/coaching-tipps/richtig-entscheiden-3879

[5] https://www.zeit.de/zeit-wissen/2011/06/Entscheidungen/komplettansicht

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